von Larissa

ich schrieb in mein tagebuch,

die geschichte von zwei freunden, 

die meine familie wurden. 

wir tranken jeden abend,

wir tanzten jede nacht.

wir waren selten einsam,

immer überall menschen.

ich kannte niemanden,

und liebte sie alle:

das mädchen mit dem sanften lächeln, 

den jungen mit dem weltraum zimmer, 

die vertrauten fremden ohne namen. 

manchmal 

wenn es warm war, 

sprangen wir in den see

und dann,

wenn es kalt war,

saßen wir in der wg, 

und führten gespräche 

über wein und vegan sein. 

ich kam am abend 

und fuhr am morgen.

 

ich schrieb in mein tagebuch,

die geschichte von zwei menschen, 

in deren wohnung ich wohnte.

wir tranken jeden abend,

wir tanzten jede nacht.

wir waren selten alleine,

immer überall menschen, 

die ich immer noch nicht wirklich

kannte – warum eigentlich nicht?

das mädchen fing an, zu lästern, 

der junge fing an, mich anzufassen, 

die fremden fingen an, fremd zu bleiben, 

weil niemand mehr als seinen namen sagte. 

oft, 

fühlte es sich an, 

als schwämmen wir bloß alle nebeneinander her 

und dann, 

fühlte es sich an, 

als sähen wir uns immer nur verschwommen und als hörten wir uns immer nur verzerrt. 

ich fuhr am morgen 

und kam nicht mehr. 

 

ich schrieb in mein tagebuch,

die geschichte von zwei menschen, 

die mir einmal viel bedeutet haben. 

wir wohnten nicht mehr in der selben stadt,

wir trafen nicht mehr die selben leute.

das mädchen hatte jetzt einen freund, 

der junge war noch immer sauer, dass ich ihn nicht gewollt hatte, 

fremde waren fremd. 

oft, 

fühlte ich mich traurig

wenn ich an sie dachte. 

und dann, 

fühlte ich mich traurig,

dass ich sie nie wirklich kannte. 

 

ich tippte in mein handy 

das gedicht von zwei menschen,

die ich lange zeit nicht gesehen hatte. 

wir wohnten wieder nahe beeinander,

wir trafen uns zum kaffee. 

ich war nicht mehr einsam, 

mit den beiden an meiner seite. 

ich weiß nicht, ob ich sie je gekannt hab

ich weiß nur, dass ich sie immer noch mag. 

das mädchen und ihr freund lächelten mich im supermarkt an 

den junge sah ich nicht mehr 

die fremden grüßten mich mit namen

und ich freute mich, dass sie ihn noch wussten. 

manchmal, 

wenn es warm war, 

schaute ich auf den see 

und dann, 

fühlte ich mich nicht mehr traurig, 

weil es egal war. 

ich kam am morgen

und blieb bis abends.