von Lucie @ennaluciee

Das bisher längste kontinuierliche Stück muss pausieren: das Leben und Erleben im Alltag. Cafés, Bars, Hochschulen, Clubs waren immer Schauplätze unterschiedlichster Szenen und Ereignisse. Man saß dabei im Publikum oder war selbst Schauspieler:in auf der Bühne. Selbst Straßen, Plätze und Haltestellen waren Spielflächen. All dies bildete ein großes Stück auf einer großen Bühne, zeitlich und örtlich verbunden. Dann wurden die Kulissen abgebaut, die Requisiten verstaut. Das alltägliche Leben musste seine Vorstellungen absagen.

Das Ensemble und die Zuschauer:innen sehnen sich nach den alten Zeiten. Insbesondere der Nachwuchs, der noch nicht so viel Bühnenerfahrung sammeln konnte, leidet. Alle versuchen, so gut es geht, nicht aus der Übung zu kommen. Zum Beispiel dank digitaler Proberäume. Oder im Privaten: Der bereits vertraute Text wird einem noch vertrauter. Anfangs entdeckt man ihn vielleicht neu, doch mit der Zeit fehlt die Abwechslung. Die Pointen, die Dramatik und der Auftritt neuer Figuren. Das leere Theater unterliegt vorübergehend einer neuen allmächtigen Intendanz. Sie hat sich durchgesetzt, die bislang dagewesene Theaterwelt vertrieben. Sie sorgt für eine Vereinheitlichung der Stücke. Die Figuren gleichen sich mehr denn je. Neue Idee: Halbgesichter. Alle mit dem selben Requisit. Interagieren ist schwierig, der Text schwer zu verstehen. Das Arrangement ist für das ganze Programm gleich. Das Zwei-Meter-Bühnenbild boomt. Karge Besetzungen, kaum Zuschauer:innen. Trotzdem bleibt dieses herabgekommene Welttheater bestehen.

Zu Beginn wurde der Wandel hingenommen. Man war froh, dass es überhaupt weitergeht. Nun ist man die Monotonie des Spielplans Leid. Keiner gewöhnt sich daran. Doch es gibt niemanden, bei dem man sich beschweren könnte, keine Arbeitnehmer:innenrechte. Die Regie versucht ihr bestes und so tun wir es alle, damit es bald wieder heißt: Vorhang auf!